Gelebte Rau(ch)nächte – vergessene Traditionen

Im Advent widmen wir uns ganz dem bevorstehenden Weihnachtsfest und seinen Traditionen. Dass nach dem Heiligen Abend aber eine weitere von Bräuchen und Geschichten geprägte Zeit unmittelbar bevorsteht, wurde in den meisten Gegenden vergessen. Nur im Alpenraum und einigen wenigen Landstrichen werden die sogenannten Raunächte noch festlich begangen.

rauchnaechte_600x600Vom 25.12. bis 5.1. dauern die Raunächte in den mitteleuropäischen Breitengraden. Jede dieser zwölf Nächte steht für einen Monat des Jahres. Seit Jahrhunderten ist es Brauch während dieser Periode zu räuchern und damit negative Energie von Haus und Hof zu vertreiben. Die Autorin Annemarie Herzog widmet sich in ihrem Buch „Gelebte Rau(ch)nächte“ im Freya-Verlag dieser besonderen Zeit. Ich durfte buchstäblich „hinein schnuppern“:

 

Keltische Bräuche bei Großmutter

Das Räuchern selbst ist beinahe so alt wie das Feuer: Schon die Kelten und Germanen glaubten daran, mit dem Verbrennen bestimmter Pflanzen, ihrer Wurzeln und Rinden das Böse und Krankheiten fern zu halten und ihre Götter milde zu stimmen.

Zu Zeiten unserer Großeltern und Ur-Großeltern war es Brauch die Glut aus dem Küchenherd in eine Pfanne zu geben und darauf (geweihte) Kräuter zu verteilen. Mit dem feurigen Gefäß ging die ganze Familie mit Bewohnern und Gästen durch alle Räume des Hauses, durch Nebengebäude, Stallungen und über das Grundstück, um alles Negative auch im neuen Jahr wirksam fern zu halten. Je nach Region fanden verschiedene heimische Pflanzen wie Buchs, Eibe, Thuje, Haselnuss, Fichte und Beifuß Einsatz – lediglich der Weihrauch kam als Ergänzung hinzu. Im Kärntener Raum spielte auch der Speick eine wichtige Rolle als segensbringende Räucherzutat.

speick-pflanze-10_speick-naturkosmetik

DIY: Räuchern für Anfänger und Fortgeschrittene

Heute wird meist eine Räucherschale eingesetzt, die mit Sand gefüllt und mit einem Stück Räucherkohle belegt wird. Glüht diese, hält sie etwa 1 bis 2 Stunden ihre Hitze. Während dieser Zeit kann man in aller Ruhe das entsprechende Räucherwerk auflegen. Mengenmäßig ist ausreichend, was zwischen zwei Fingern Platz hat, nach etwa 10 Minuten kann Räucherwerk nachgelegt werden.

speick-natural-aktiv-sauna-aufguss-konzentrat-100mlFür jede der zwölf Raunächte gibt es eigene Rezepte, die zum jeweiligen Thema (und damit zum entsprechenden Monat des Jahres) passen. Im Buch sind diese näher beschrieben, ebenso wie kleine Anleitungen und Gedanken zu den zwölf Nächten. Zum Ausprobieren empfiehlt Annemarie Herzog für Weihnacht, Silvester und Heilige Drei Könige eine Mischung aus Palmbuschzweigen, Weihrauch, Myrrhe und Speick. Da das Speickpflänzchen geschützt ist und nur von ausgewählten Bergbauern in kontrolliert biologischer Wildsammlung geerntet werden darf, kann diese Zutat mit dem Speick Sauna-Aufgusskonzentrat ersetzt werden.

Bevor es losgehen kann, wird entrümpelt: Der Überlieferung nach ist der 21.12. als Wintersonnenwende der ideale Zeitpunkt dafür. Es wird geputzt, Altes entfernt, Fenster und Lampen poliert, um möglichst viel Licht zu haben. Dinge, die seit Jahren ungenutzt im Schrank liegen, alte Zeitungen und ähnlicher Ballast kommen weg.

Am 24.12. um Mitternacht wird dann in alter Tradition mit Räucherschale oder Pfanne das Haus und alles was dazu gehört gereinigt. In den Räumen sollte sich der Rauch 20 Minuten entfalten können, bevor für 20 Minuten gelüftet wird – damit soll alles, was das Ritual gelöst hat mit dem Rauch nach Draußen entweichen.

Zeit für Ruhe

Wichtig ist vor allem, sich bei all dem Zeit zu nehmen. Denn eines lehrt uns die lange Tradition des Räucherns: Die Rückbesinnung auf alte Werte. Früher nutzten die Menschen die „Zeit zwischen der Zeit“ vor allem für Ruhe. Selbst die Bauern, die das ganze Jahr rastlos arbeiteten, zogen sich zurück. Von den Kindern bis zum Großvater waren alle im Haus um miteinander zu reden, zu musizieren und Geschichten zu lauschen. Wenn draußen meterhoch Schnee lag, störte es niemanden – man wollte die warme Stube ohnehin nicht verlassen. Feuerholz und Nahrung wurde auf Vorrat gelagert, Eile kannte man zu dieser Zeit nicht. Eine wirklich „geschenkte“ Zeit anstelle der heutigen Hektik, Geschenkerausch und dem „Freizeitstress“, den wir uns selbst im Urlaub und rund um die Festtage oft antun. Ich nehme mich davon nicht aus und lade mir häufig zu viel auf. Die private To-Do-Liste ist manchmal länger, als die im Büro… Für die Raunächte nehme ich mir vor, die für mich wichtigen Werte zu hinterfragen, Prioritäten neu zu setzen. Und vor allem mal ein paar Tage die Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden, nach der wir uns im Alltag alle (insgeheim) sehnen…

Ich wünsche Euch eine besinnliche Zeit

Eure Jenny

 

 

2 Gedanken zu “Gelebte Rau(ch)nächte – vergessene Traditionen

  1. Sylvia schreibt:

    Liebe Jenny,

    auch ich wünsche Dir eine besinnliche Zeit und Gelegenheit zu innerer Einkehr.
    Dein interessanter Beitrag, der mich viel Neues gelehrt hat. Habe beim Lesen die Raunächte bildhaft vor mir gehabt. Eine schöne Tradition in einer so schnelllebigen Zeit.

    Alles Gute für das Neue Jahr und liebe Grüße

    Sylvia

    Gefällt 1 Person

    • Jenny schreibt:

      Liebe Sylvia, vielen Dank! Ja manchmal sollten wir ein paar Traditionen zurück in unsere Zeit holen. Wenn man sie näher unter die Lupe nimmt, findet man darin oftmals nicht nur Brauchtum und Geschichten, sondern auch einen tieferen Sinn.
      Ich hoffe, du kannst in der „staden Zeit“ wunderbar abschalten und wünsche dir einen entspannten Jahresausklang mit viel Energie für 2017!

      Jenny

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s