lindos walter rau speick

Ein Blick in die Vergangenheit: die Lindos Kamillen-Seife für Kinder

Als Jenny, Julia und ich im Frühjahr bei Speick zu Besuch waren, konnten wir nicht nur in Produktion, Labor und Lager hineinschnuppern, sondern haben auch allerhand rund um die Geschichte des Unternehmens erfahren. Ich wusste bis dahin beispielsweise nicht, dass es früher eine Kinder-Serie im Sortiment gab! Zu gern wollte ich einmal an einem der Produkte schnuppern, also habe ich mich online auf die Suche gemacht und bin fündig geworden. Und welchen besseren Anlass als das 90-Jährige Speick-Jubiläum könnte es geben, um mit euch eine kleine Zeitreise ins letzte Jahrhundert zu unternehmen und einen Blick auf einen Teil des damaligen Sortiments zu werfen?

Die fünfteilige Lindos Kamillen-Pflege-Serie

lindos kamillen pflege walter rau

Anfang der 1950er Jahre war es, als Walter Rau das Sortiment um fünf Produkte erweitert hat, die speziell für die Pflege von Babys und Kindern gedacht war. Seife, Puder, Creme, Öl und Bademilch bildeten die Lindos-Serie, die nach einem Ort auf der griechischen Insel Rhodos benannt worden ist, wie ihr ja auch im Porträt über Walter Rau schon erfahren konntet.

Im Mittelpunkt der Produkte steht als Inhaltsstoff die Echte Kamille – mit ihren entzündungshemmenden, antibakteriellen und beruhigenden Eigenschaften ist sie ein Klassiker der Babypflege. Bis in die 1990er Jahre hinein war die Lindos-Serie Teil des Speick-Sortiments. Der Markt für Babypflege war bereits zu dieser Zeit allerdings hart umkämpft, sodass die Produkte das Sortiment wieder verlassen mussten. Die Seife war dabei bei den Kunden besonders beliebt und wurde bis Ende der 1990er Jahre verkauft.

Die Lindos Kamillen-Seife

lindos kamillen kinder seife

Die Echte Kamille ziert die Verpackung der Lindos-Seife. Spannend finde ich die blaue Farbe des Umkartons: ob das eine Anspielung auf das blaue ätherische Öl der Kamille ist?

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Die Seife selbst ist in feines Papier nochmal eingeschlagen – wenn ihr genau hinschaut, seht ihr darauf schon das damalige Speick-Logo, das das Design der Seifen im Wandel der Zeit über viele Jahrzehnte geziert hat.

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Einmal auspacken, bitte! So sieht die Seife ganz ohne Verpackung aus:

lindos walter rau

Zart-gelb ist sie (in natura etwas dunkler als auf den Fotos) und präsentiert sich mit Lindos-Prägung. Noch hübscher finde ich allerdings die Rückseite, denn dort ist tatsächlich eine Kamillenpflanze eingeprägt:

speick lindos seife kamille

Und wie duftet die Seife nun? Tja, mein Exemplar hat schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, da hat der Duft deutlich nachgelassen. Meine Nase empfindet den Duft als zart, unaufdringlich und einfach ein bisschen seifig-cremig. Ja, diesen Duft würde ich auf Baby- oder Kinderhaut sehr gern riechen! Ich habe mich übrigens bisher nicht getraut, meine Lindos-Seife tatsächlich zum Händewaschen oder zur Körperpflege zu nutzen, denn diese Rarität soll doch möglichst lange noch unversehrt bleiben.

Auf einem Beileger im Umkarton ist die gesamte Kamillen-Serie abgebildet:

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Herzerwärmend finde ich persönlich ja die Details in Form von Kinderliedern bzw. Reimen, die den Rahmen der Abbildung bilden. Dass Speick in Schwaben beheimatet ist, ist dabei unverkennbar – Hotte, hotte, Rössle!

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Ich wäre gespannt darauf, zu erfahren, ob von euch vielleicht sogar noch jemand die Lindos Pflege-Serie von Speick kennt und damit entweder selbst gepflegt worden ist oder sie für die Pflege der eigenen Kinder verwendet hat…

Eure Ida

Wer war Walter Rau?

Naturkosmetik finde ich nicht nur wegen der vielen wirksamen Produkte interessant, sondern auch wegen der spannenden Geschichten, die grüne Marken häufig im Gepäck haben – so auch SPEICK Naturkosmetik. Insbesondere die Frage nach den Ursprüngen eines Unternehmens treibt mich immer wieder um. Heute möchte ich euch die Anfänge von SPEICK und den Firmengründer Walter Rau etwas näher bringen. Viele Facetten prägten ihn und sein Leben – und damit nicht zuletzt auch SPEICK.

Walter Rau war…

Fortschrittlicher Visionär:

Es war in den 1920ern, als sich der elterliche Betrieb von Walter Rau –  die Vereinigten Seifenfabriken – mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise konfrontiert sah und verkauft werden musste. Walter Rau wollte die Tradition der Seifenherstellung seiner Eltern fortsetzen und gründete 1928 mit finanzieller Unterstützung seines Vaters das „Feinseifenwerk WALTER RAU“. Dabei hatte er neben der Pflege der traditionellen Seifenherstellung auch eine klare Vision des Fortschritts: eine natürliche, milde Seife, die für die wohltuende Körperpflege verwendet wird und nicht länger nur als effektives Mittel zur Wäschereinigung dient. Was uns heute selbstverständlich erscheint, war Ende der Zwanziger eine kleine Revolution in der Kosmetik-Welt! Unverkennbar sollte die Seife als Marken-Produkt zudem auch optisch sein. Die lachsrote SPEICK Natural-Seife ist bis heute das beliebteste Produkt aus dem Hause SPEICK.

Umweltbewusster Vordenker:

Wenn man die folgenden Gedanken Walter Raus heute liest, könnte man meinen, er habe durch die Glaskugel ins Jahr 2018 geschaut. Tatsächlich stellte er schon vor 60 Jahren im Jahr 1958 fest: „Die Zeitschäden wachsen. Die ungesunde, nervöse Arbeitsweise, das verunreinigte Wasser, die durch Staub, Gase, Säuren verpestete Luft, ganz zu schweigen von dem Problem der Radioaktivität, das in der Zukunft vielleicht brennend wird – das alles zusammen sind Schäden äußerer Art, die mehr oder weniger auf die Haut einwirken. Dazu kommen aber noch die Nahrungsschäden, die durch Pflanzenschutzmittel, mineralogische Düngeverfahren, Konservierungsmittel usw. hervorgerufen werden.”

Anthroposophischer Unternehmer:

Walter Rau besuchte mehrere Vorträge des Anthroposophen Rudolf Steiner und war ab 1925 Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Sein ganzheitliches Verständnis von Mensch und Natur sollte sich auch im Unternehmen in Form eines Mehrwerts für die Mitarbeiter widerspiegeln. So etablierte Walter Rau bereits frühzeitig eine Arbeitnehmervertretung und organisierte Weiterbildungen in Form von sogenannten Werkstunden. Als saisonales Highlight gab es beispielsweise die jährliche Aufführung der Oberuferer Weihnachtsspiele. „Mensch bleiben und sich weiter entwickeln können”, diesem Motto ist SPEICK bis heute treu geblieben, auch wenn bspw. die anthroposophische Eurythmie heute aus dem Unternehmensalltag verschwunden ist.

Unerschütterlicher Optimist:

Seit seinem 14 Lebensjahr beeinflusste die Schwerhörigkeit das Leben Walter Raus von Jahr zu Jahr in zunehmendem Maße. Trotz seiner Ertaubung ließ er sich weder vom Studium noch von seiner Arbeit abbringen. Seine Frau Carola von Fumetti, die ihr mit ihm oben auf dem Bild seht, war ihm dabei eine große Stütze. 1960 verarbeitete er seine Situation in einem Zeitschriften-Artikel zum Thema „Ertaubung im Beruf“.

Vielseitiger Wissbegieriger:

Chemie, Studium der Betriebswirtschaft, Anthroposophie, Heilpflanzen, Kosmetik, Musik, Klavierspielen: die Interessen und Talente von Walter Rau waren breit gestreut. Wissbegierde, Neugier und Weltoffenheit kennzeichneten sein Wesen und beeinflussten auch sein unternehmerisches Handeln. Nicht zuletzt waren es diese Eigenschaften, die dazu geführt haben, dass Walter Rau gemeinsam mit seinem Schwager auf die Speik-Pflanze als alte Heilpflanze gestoßen ist und diese die unverzichtbare Basis des Unternehmens und des Sortiments geworden ist.

Heimatverbundener Reiselustiger:

Von Glasgow bis Griechenland – Walter Rau war gern auf Reisen. Seine Liebe zu Griechenland fand zum Beispiel in Form der Lindos-Kinderserie Ausdruck innerhalb des SPEICK-Sortiments, denn das Dorf Lindos auf Rhodos zählte zu seinen liebsten Urlaubsdomizilen. Gleichzeitig war Walter Rau aber auch seiner Heimat sehr verbunden. In Stuttgart geboren, war er seiner Heimatstadt stets auch unternehmerisch verbunden und wurde schließlich im Jahr 1968 in Stuttgart begraben.

Ich hoffe, ihr hattet Freude an diesem kleinen Einblick in das Leben und Schaffen Walter Raus!

Eure Ida