Darf eine Verpackung aus bspw. Rezyklat oder biobasierten Kunststoffen anders aussehen als eine konventionelle Verpackung? Und wenn ja: Wie viel darf sie vom allgemeinen ästhetischen Anspruch abweichen? Wer über Kosmetik spricht, denkt meist zuerst an Inhaltsstoffe. Dabei stellt sich auch bei Verpackungen eine spannende Frage: Wie sieht eine reduzierte Verpackung aus recycelbaren Materialien eigentlich aus? Oder anders gesagt: Welche optischen Veränderungen sind akzeptabel, wenn Materialien Ressourcen fokussiert ausgewählt werden? Ein Blick hinter die Kulissen bei Speick Naturkosmetik zeigt, warum darauf nicht immer einfache Antworten existieren.
Der Anspruch: ressourcenschonender werden, ohne den optischen Anspruch aus den Augen zu verlieren
Wer ein Speick-Produkt im Regal sieht, erkennt es meist sofort: Das charakteristische Rot, die klare Gestaltung und der hohe Wiedererkennungswert prägen das Design der Marke seit Jahrzehnten.
Gleichzeitig arbeitet Speick Naturkosmetik kontinuierlich daran, Packmittel ressourcenschonender und kreislauffähig zu gestalten. Das klingt erst einmal nach einer logischen Entwicklung. In der Praxis beginnt hier allerdings eine spannende Gratwanderung, denn nicht jedes alternative Material verhält sich genauso wie sein konventionelles Pendant.
Wie sehen ressourcenschonende und kreislauffähige Verpackungen heute aus?
Dass alternative Materialien unterschiedlich aussehen können, zeigt sich besonders deutlich an drei Beispielen aus der Speick Naturkosmetik-Welt:
- Recyclingpapier
Das kennen wir alle aus dem Alltag: Es wirkt oft etwas grauer, weniger homogen und manchmal etwas rauer als Frischfaserpapier. Die alternative Lösung ist also nicht zwangsläufig diejenige, die identisch aussieht. - Tuben aus Bio-PE
Speick Naturkosmetik verwendet für einige Produkte biobasiertes Polyethylen, kurz Bio-PE, das auf dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr basiert, sich optisch und haptisch aber nicht von herkömmlichem Kunststoff unterscheidet. Druckbild, Farbwirkung und Oberflächenqualität bleiben unverändert. - PCR-Etiketten
PCR steht für „Post Consumer Recycled“ und bezeichnet Kunststoffe, die bereits genutzt, gesammelt und anschließend wieder aufbereitet wurden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Weniger neue Rohstoffe müssen eingesetzt werden. Die Herausforderung liegt jedoch in der Optik, denn Rezyklate können minimale Fremdpartikel enthalten, die selbst moderne Aufbereitungsverfahren nicht vollständig entfernen können. Im fertigen Material können diese als kleine Punkte, Einschlüsse oder leichte Unregelmäßigkeiten sichtbar werden. Fachleute sprechen hier von sogenannten Stippen. Besonders auf dunklen Hintergründen – wie bspw. bei Packmitteln der Serien Speick Original oder Speick Men – fallen solche Effekte stärker auf als auf hellen.

Und dabei stellt sich dann eben auch die Frage:
Wie viel optische Perfektion erwarten wir eigentlich von reduzierten, ressourcenschonenden Verpackungen mit recycelbaren Materialien?
Bei Produkten einer Marke wie Speick spielt ein konsistentes Erscheinungsbild eine wichtige Rolle. Das gilt insbesondere für das markentypische Speick-Rot – definiert als Farbton Pantone 186 –, das auf allen Packmitteln möglichst gleich wirken soll.
Bei neueren Materialien ist das keine Selbstverständlichkeit: PCR-Materialien können Farben anders wirken lassen als konventionelle Kunststoffe. Recyclingpapier reflektiert Licht anders als Frischfaser. Was auf dem Bildschirm beim Entwurf der Verpackungen identisch aussieht, kann im Regal plötzlich zwei verschiedene Rottöne ergeben.
Um das zu verhindern, arbeitet Speick Naturkosmetik mit verbindlichen Farbreferenzen und sogenannten Range Boards, die den akzeptierten Toleranzbereich für jedes Material dokumentieren. Besonders eng arbeiten dabei Produktmanagement und Einkauf zusammen: alternative Materialien müssen nicht nur ökologisch sinnvoll sein, sondern auch technisch funktionieren, verfügbar sein und den Qualitätsansprüchen der Marke gerecht werden.

Neue Verpackungslösungen: ausprobieren und evaluieren
Auch wenn sich neue Materialien im Design an ihre konventionellen Pendants durchaus anpassen lassen, schafft es dennoch nicht jede Lösung automatisch bis ins fertige Produkt. Manche Materialien überzeugen im Alltagseinsatz nicht ausreichend. Manche erfüllen die optischen Anforderungen nicht. Manche müssen weiterentwickelt werden. Und manche scheitern am Langzeittest.
Einige der PCR-Etiketten stellt Speick Naturkosmetik deshalb derzeit wieder um, weil sie den internen Qualitätsstandards optisch nicht genügen. Fortschritt bedeutet eben manchmal auch, Dinge zu testen, kritisch zu prüfen und anschließend neu zu bewerten. Auch das gehört zu einem ehrlichen Entwicklungsprozess dazu.
Fazit: Zwischen Verantwortung und Wiedererkennbarkeit
Markenästhetik und Ressourcenschutz schließen sich nicht gegenseitig aus, aber sie finden auch nicht automatisch zusammen. Dazwischen liegen Materialtests, Druckabnahmen, Diskussionen. So zeigt sich Achtsamkeit nicht nur in den Entscheidungen, die getroffen werden, sondern manchmal auch in denen, die bewusst vertagt oder revidiert werden.


